Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V.

Südwestmetall: Herr Ohmberger, warum ist die Firmengruppe Hekatron in Sulzburg ansässig?

Ohmberger: Die Firma Hekatron wurde 1963 in Bielefeld, im Übrigen von einer Frau Hildegardt Döring, gegründet. In Bielefeld war damals die Textilindustrie gut aufgestellt, es war schon damals schwierig, Fachkräfte zu bekommen. Deswegen hat man sich in der Bundesrepublik umgeschaut, die Stadt Sulzburg hat Hekatron die Möglichkeit gegeben, in einem Klassenzimmer in der Schule die Produktion aufzunehmen. Mittlerweile ist Hekatron in Sulzburg und mit Sulzburg stark verbunden. Circa 70 % der Beschäftigten kommen aus einem Umkreis von 15 Kilometern.

Der Nachteil dieser sehr engen regionalen Verbundenheit ist es aber, dass es oftmals schwierig ist zu erkennen, was außerhalb des Markgräflerlandes läuft; hier bedarf es zusätzlicher Bemühungen, um sich von den allgemeinen Entwicklungen nicht abzukoppeln.

Südwestmetall: Sie sagen, die Mitarbeiter seien stolz, bei Hekatron zu arbeiten. Warum?

Ohmberger: Es hängt zum einen natürlich mit der geografischen Lage zusammen, dass wir in einem ländlichen Umfeld sind und die Beschäftigten aus dem Markgräflerland kommen. Darüber hinaus liegt dies aber auch an unserer Firmenkultur. Wir sind kein Unternehmen, welches einstellt und entlässt, wir sind an langjährigen Vertragsbeziehungen mit unseren Beschäftigten interessiert. Wir sehen auch die arbeitsvertraglichen Vereinbarungen als Leistungsversprechen des Unternehmens, soweit als möglich an den Arbeitsverhältnissen festzuhalten.

Südwestmetall: Wie integrieren Sie in dieser „Familie“ diejenigen Personen, die neu in Ihr Unternehmen kommen?

Ohmberger: Der Rahmen eines jeden Arbeits- und Ausbildungsverhältnisses ist das von mir bereits erwähnte gegenseitige Leistungsversprechen; Auszubildende wie Beschäftigte erbringen eine bestimmte Leistung, die mit ihnen vereinbart ist, um zum Erfolg unseres Unternehmens beizutragen. Grundlage dafür aber ist es auch, dass mit den Menschen vernünftig umgegangen wird, dass wir ihnen auch den entsprechenden Respekt entgegenbringen. Das Gleiche gilt auch für all diejenigen Vertragspartner außerhalb unseres Unternehmens, seien es unsere Lieferanten oder unsere Kunden. Wichtig ist dabei auch, dass die Geschäftsführung den Beschäftigten gegenüber die entsprechende Wertschätzung entgegenbringt. Neueintretende Menschen werden von der Geschäftsführung begrüßt, nach etwa einem halben Jahr kommt es zu einem persönlichen Gespräch, in dem von beiden Seiten aus besprochen wird, was gut gelaufen ist und was verbesserungswürdig ist. Lob und Kritik gelten beiderseits, für den Arbeitgeber genauso wie für die Beschäftigten.

Südwestmetall: Warum ist Ihr Unternehmen Mitglied bei Südwestmetall?

Ohmberger: Als wir 2002 den Vertrieb rechtlich aus der Hekatron-Gruppe herausgetrennt haben, haben wir den Beschäftigten versprochen, dass sie durch diese gesellschaftsrechtliche Trennung keine Nachteile erleiden. Die Hekatron-Gruppe ist schon seit 1965, damals noch unter dem Namen Pyrotector Europe GmbH, Mitglied im Tarifträgerverband Südwestmetall bzw. den Vorgängerverbänden. Damit war es für uns selbstverständlich, auch mit der Hekatron Vertriebs GmbH Südwestmetall beizutreten. Die Tarifbindung gibt den Beschäftigten Sicherheit und Orientierung, die sie benötigen, um die entsprechende Leistung zu erbringen und damit auch das Unternehmen nach vorne treiben zu können. Sicher ist nicht jeder Tarifabschluss von uns mit Applaus bewertet worden. Wir sehen uns aber im großen Verbund der Mitgliedsfirmen von Südwestmetall und akzeptieren schlussendlich die Tarifabschlüsse. Die Mitgliedschaft im Tarifträgerverband ist unsererseits das Leistungsversprechen an die Beschäftigten, dass sie vernünftige und anständige Arbeitsbedingungen haben. Die Tarifbindung ist insoweit für uns ein ganz wesentlicher Baustein.

Südwestmetall: Welche Erwartungen haben Sie an Südwestmetall für die nächsten fünf Jahre?

Ohmberger: Aus meiner Sicht muss eine stärkere Bindung und Verbindung zwischen den Mitgliedsfirmen erfolgen; Südwestmetall muss das Geschäftsmodell eines jeden Mitgliedunternehmens verstehen, näher an die Firmen gehen und im Hinblick auf die inhaltlichen Arbeitsthemen, die Südwestmetall hervorragend anbietet und die Leistungen, die Südwestmetall erbringt, müssen kontinuierlich fort- und weiterentwickelt werden. Hierzu mag auch die Kooperation mit anderen Organisationen außerhalb des Verbandes notwendig sein. Der Kontakt zur Politik und zu den Meinungsträgern außerhalb des Verbandes muss verstärkt werden; Südwestmetall muss der Meinungsträger für die Metall- und Elektroindustrie werden; hierzu bedarf es auch klarer Positionierungen.

Südwestmetall: Und wo steht Hekatron in fünf Jahren?

Ohmberger: Wir wollen eine Million Fans, 20 Millionen Umsatz erreichen, dabei etwa 50% mit Serviceaufträgen.

Südwestmetall: Die Gesellschafter der Hekatron-Gruppe sitzen in der Schweiz, sind Schweizer; wie ist die Zusammenarbeit mit den Schweizer Chefs?

Ohmberger: Ich kann keinen Vergleich zu anderen Gesellschafterstrukturen ziehen, da ich diese nicht ausreichend kenne. Die Entscheidungswege sind manchmal etwas länger, in der Schweiz herrscht ein konservatives Denken, wenig Abenteuerlust, obwohl die Welt sich schneller dreht. Aber wir befinden uns in einem sehr stabilen Umfeld, unsere Gesellschafter zeichnen sich durch besondere Zuverlässigkeit und das Hervorheben der unternehmerischen Werte aus, wir genießen eine ausreichende unternehmerische Freiheit, um unser Unternehmen nach vorne zu bringen. Wir haben hier auch die volle Unterstützung; unsere Schweizer Gesellschafter haben unser Geschäftsmodell verstanden. Sie unterstützen in vollem Umfang unsere unternehmerische Tätigkeit.

Südwestmetall: Warum sind in verschiedenen Bundesländern Gesetze notwendig, Rauchmelder in Wohnräumen zu installieren?

Ohmberger: Diese Frage dürfen Sie nicht an uns richten, wir sind hier der falsche Ansprechpartner. Ob eine solche gesetzliche Regelung legitim ist, haben wir nicht zu beurteilen. Richtig ist, dass -auch- wir natürlich von dieser gesetzlichen Regelung profitiert haben und unseren Umsatz damit erhöhen konnten. Dadurch konnten wir Arbeitsplätze schaffen mit guten Arbeitsbedingungen. Die Innovation der Hersteller von Rauchmeldern musste gestärkt werden, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Aber: Rauchmelder retten Menschenleben; insbesondere bei Wohnhausbränden sterben Menschen in den meisten Fällen nicht an dem Brand selbst, sondern an einer Rauchvergiftung. Wenn durch einen Rauchmelder auch nur ein Menschenleben gerettet wurde, hat sich diese Investition rentiert.

Südwestmetall: Herr Ohmberger, wie sieht es bei Ihnen persönlich mit der sogenannten Work-Life-Balance aus?

Ohmberger: Bei mir persönlich schlecht; ich bin mit Herz und Seele für unser Unternehmen tätig, die Arbeit macht auch sehr viel Spaß. Allerdings befinde ich mich im beruflichen „Landeanflug“ und muss mich allmählich auf die Zeit nach meinem Arbeitsleben vorbereiten. Dies habe ich bis heute aber noch nicht geschafft. Ich muss mich hierzu neu erfinden. Meine Tätigkeit, mein Beruf ist zugleich Berufung.

Südwestmetall: Herr Ohmberger: Herzlichen Dank für das Gespräch.

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Datum: 19.1.2018

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